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Kapitel IV

Der Angriff auf deutsches Kapital

Plünderung

Die Plünderung Deutschlands nach der bedingungslosen Kapitulation, wird in die Geschichte als einer der schändlichsten Akte in moderner Zeit eingehen. Der Umfang spottet jeder Beschreibung und das Ausmaß ist unvorstellbar.

Die alliierten Armeen strömten mit blutunterlaufenen Augen nach Deutschland hinein und mit der aus der Propaganda erwachsenen Überzeugung, daß die Deutschen der menschlichen Rasse nicht mehr angehörten und des gesetzlichen Schutzes und zivilisierter Einrichtungen, wie des Eigentumsrechts und der Sicherheit der Person nicht mehr wert waren. Es wurde nicht als Plünderung angesehen, sondern ganz einfach, als sich etwas vom Eigentum der Deutschen zu nehmen, das diese verwirkt hatten, weil sie Deutsche waren.

Russische Soldaten waren besonders heißhungrig, und ihr Appetit auf Plünderung wurde nur durch die Beschränkung ihres eigenen Rechts, Eigentum zu besitzen, gezügelt. Sachen, die russische Soldaten behalten konnten, wie Armbanduhren, stahlen sie, sobald sie sie sahen, sogar von den Armen der Yankees.

Die schwere Plünderung durch die Russen wurde offiziell, systematisch und gründlich durchgeführt. In jedes Haus und jede Wohnung wurde eingedrungen, durchsucht und alles, was zugleich wertvoll und beweglich war - Juwelen, Silber, Kunstwerke, Kleidung, Haushaltsgegenstände, Geld, wurde mitgenommen. Sie durchwühlten Warenhäuser, Geschäfte und Lagerhäuser. Von den Farmen wurden Tiere, Maschinen, Vorräte an Samen, Futter, Wein und Vorräte an Nahrungsmitteln mitgenommen. Telefone wurden aus den Wohnungen entfernt, Telefon- und Telegrafenleitungen sowie Einrichtungen wurden abmontiert. Autos, Motortrucks, sogar Feuerwehrwagen wurden beschlagnahmt. Alles, was nicht festgenagelt war, wurde mitgenommen.[1] Weil der Lebensstandard der Deutschen auf den europäischen Durchschnitt heruntergebracht werden mußte.

Die russischen Besatzungsarmeen, in der Größe gleich der der gesamten Besatzungskräfte der Westmächte, leben auf Kosten des Landes und bezahlen für Requisitionen mit Papier-Besatzungsmark. Maßlos übertriebene Besatzungskosten dienen dem Kreml als wirkungsvolles Mittel, das Territorium auszubeuten. Die Belastungen in der sowjetischen Zone Österreichs sind relativ größer als diejenigen, die die Deutschen in Frankreich, Belgien. Holland, Griechenland und anderswo auferlegten.[2] Und das, trotz des Versprechens, Österreich den "Befreiten Status" zuzuerkennen.

Alle Alliierten haben ungeheure Mengen an Militärgeld herausgegeben, das die Deutschen gezwungen sind, als "Zahlungsmittel" anzunehmen. Vorsichtig geschätzt, haben sie insgesamt zwischen 15 und 20 Milliarden Besatzungsgeld in das Land gepumpt gegenüber einer normalen Währungszirkulation zwischen 7 und 9 Milliarden.[3] Das bedeutet, daß sich die vier Mächte zwischen 2 und 4 Milliarden Dollar an deutschem Besitz angeeignet haben als Gegenwert für das Drucken von Geld, das als Zahlungsmittel ausgegeben wurde.

* * * * *

So übergewichtig, wie die amerikanischen Kräfte in den Armeen waren, die gegen den Westen und Süden Deutschlands kämpften, so war die Übergewichtigkeit der plündernden Amerikaner. Der Auslandskorrespondent der Chicago Daily News, der der 3. US Armee zugeteilt war, schrieb im Mai 1945, als Deutschland sich ergab:

Ich war überrascht über die nachlässige Art und Weise, in der das geplünderte Gut behandelt wurde und große Bestände an Nahrungsmitteln den rücksichtslos einfallenden Plünderern überlassen wurden.[4]

Einige Tage später telegrafierte er:

Von komplizierten Zeiss-Objektiven über Butter und Käse bis zu teuren Autos im Wert von Millionen von Dollar wird alles vernichtet, weil die Armee kein System für die Bergung wertvollen Feindmaterials ausgearbeitet hat.

Was Besitztum des Feindes angeht, sind die Fronttruppen rauh und zu allem bereit. Natürlich nehmen sie alles, was sie finden können, wenn es interessant aussieht, und, weil sie in den Frontlinien sind, sagt niemand etwas.

Es gibt keine M.P.s in den Frontlinien.

Aber was die Truppen an der Front nehmen, ist nichts im Vergleich zu dem Schaden, der durch den mutwilligen Vandalismus einiger der folgenden Truppen angerichtet wird.

Sie scheinen alles zu ruinieren, eingeschlossen die einfachsten persönlichen Gegenstände der Leute, in deren Häuser sie eingewiesen sind.

Heute hatten wir zwei weitere Beispiele dieser Art, die Tränen in die Augen eines jeden bringen würden, der materielle Werte zu schätzen weiß.

Zunächst fand ich zwei Güterwagen mit wunderbaren Zeiss-Entfernungsmessern für ack-ack Gewehre, Tausende von seltenen Linsen im Wert von grob gerechnet vielleicht $ 1.000.000.

Die meisten Sachen, die wir hier sahen - viele über die Gleise verstreut - waren nicht zu schätzen, und Werte in Tausenden von Dollar wurden verstreut, als die G.I.s die Güterwagen nach Ferngläsern und anderen Gegenständen durchkämmten, von denen man annahm, daß sie leicht zu verkaufen sein würden. Jeder mit auch nur einer Ahnung von Präzisionsinstrumenten, würde sich die Augen ausgeweint haben, Instrumente im Wert von $ 500 bis $ 1.000 einfach als Plunder herumgestreut liegen zu sehen.

Später besuchte ich ein Lagerhaus, das voll war von Textilien, und es sah aus wie ein Schweinestall.

Es lagen immer noch Tausende von Metern bedruckter Baumwolle und künstlicher wollener Güter herum, aber viel mehr war von dem einen oder anderen geplündert worden.[5]

In einem Fall führte die Plünderung zu Festnahmen und Prozessen. Ein WAC Hauptmann und ein Oberst waren in Amerika festgenommen und in Frankfurt, Deutschland, vor ein Gericht gestellt worden, weil sie Juwelen, zumeist vom Hause Hessen, aus einem Schloß mitgenommen hatten, das Prinzessin Margarete von Hessen, einer Enkelin Königin Victorias, gehörte. Die Verteidiger bei den Prozessen machten das Ausmaß der Plünderung, die durchgeführt worden war klar sowie die Philosophie, die dahinterstand. Ein Bericht über die Szene liest sich wie folgt:

Die Prinzessin schnitt gut ab gegen die Behauptung der Verteidiger, daß die Eigentümer der Juwelen nur ein Haufen von Nazis seien und der Verlust ein Unglück des Krieges sei und nicht unter Hunderten von Diebstählen an Deutschen seitens amerikanischer Armeeangehöriger für eine strafrechtliche Verfolgung ausgenommen werden sollte.[6] (Hervorhebung hinzugefügt)

Es ist in der Tat nicht wahrscheinlich, das dieser Fall vor Gericht gekommen wäre, wenn die Eigentümer nicht solch beeindruckende Verbindungen gehabt hätten. Es ist bestens bekannt, daß wir aus deutschen Museen ca. 200 Meisterstücke mitgenommen haben in der Absicht, sie zu behalten. Die Empörung der Öffentlichkeit war so stark, daß Präsident Truman sich veranlaßt sah, schnellste Rückgabe zu versprechen; Aber niemand wurde angeklagt oder festgenommen.

Der amerikanische Kommandant der Militärpolizei, Oberstleutnant Gerald F. Beane, dessen Aufgabe es ist, sich um Verbrechen zu kümmern, die durch unsere Soldaten begangen wurden, sagt in einem offiziellen Bericht, der Ende 1945 in Berlin veröffentlicht wurde, über die Natur und das Ausmaß von Kriminalität in unserer Besatzungsarmee, daß die am meisten von unseren Soldaten begangenen Verbrechen Diebstahl und Raub seien. Eine führende Tageszeitung kommentiert:

Was die Verbrechen bezüglich Eigentum betrifft, ist die Erklärung ziemlich eindeutig. Während des Krieges wurden keine wirksamen Schritte unternommen, Plünderungen durch die eindringenden Armeen zu verhindern. Dieses Verbrechen wurde sowohl von Offizieren, als auch von einfachen Soldaten begangen, die zum großen Teil unbestraft blieben. Es wurde unter solchen Euphemismen wie Erinnerungen sammeln toleriert. Die Gewohnheit zu stehlen, einmal angenommen, ist schwer abzulegen. Der Fehler liegt natürlich beim Oberkommando, das den Mißstand erlaubte. Oberst Beales Erklärung läßt vermuten, daß die Armee verspätet versucht, seinen Irrtum zu korrigieren.[7]

Der größte Teil dieser Art Plünderung hörte während des ersten Besatzungsjahres auf, danach wurden die Methoden raffinierter und indirekter. Ende 1946 wurden die GIs aufgefordert, deutschem Besitz zu kaufen, der zu der Zeit für fast nichts zu haben war, aber später großen Wert haben konnte.[8] Das Währungschaos wurde voll ausgenutzt. Um amerikanischen Wucher auf den Schwarzen Märkten und illegalen Erwerb ausländischen Geldes zu unterbinden, gaben Militärbeamte im September 1946 neues Militär-Papiergeld heraus, das alle "ausländischen und alliierten Militärwährungen bei finanziellen Transaktionen durch die gesamten Einrichtungen der Armee der Vereinigten Staaten ersetzte."[9] Und wenn man russischen Behauptungen glauben kann, haben amerikanische Beamte aus Produktionsanlagen in unserer Zone, Objekte, die als Reparationen zur Versendung nach Rußland bestimmt waren, gestohlen und für persönlichen Gewinn ins Ausland verkauft.[10]

Aber die Art der eben geschilderten Plünderung, obwohl sie einen Wert von Hunderten von Millionen hat und durch die den deutschen Menschen Erleichterungen und Notwendigkeiten gestohlen wurden, die sie während der schrecklichen Zeit, durch die sie hindurch müssen, so dringend brauchten, ist jedoch nur geringfügiger Diebstahl im Vergleich zu dem gigantischen Programm industrieller Plünderung, das in Potsdam beschlossen wurde.

Wirtschaftlicher Kannibalismus

Potsdam verfügt, daß eine zukünftige deutsche Produktion durch den Alliierten Kontrollrat so begrenzt werden soll, daß der durchschnittliche deutsche Lebensstandard den durchschnittlichen Lebensstandard anderer europäischer Länder nicht übersteigt, ausgenommen Britannien und Rußland, und daß die "Produktionskapazität, die nicht für die erlaubte Produktion benötigt wird" von den Eroberern als Beute genommen oder zerstört werden soll. Die am Boden liegende deutsche Wirtschaft muß ausgeblutet und gevierteilt und das Fleisch anderen Ökonomien zugeführt werden, ein Projekt, das passend "wirtschaftlicher Kannibalismus" genannt wird.

Potsdam rezitiert fromm, mehr als eine Betrachtung darüber als einen Auftrag, daß das Programm "genug Resourcen übrig lassen solle, das deutsche Volk in die Lage zu versetzen, ohne Hilfe von außen zu existieren." Zur gleichen Zeit wird zugegeben, daß die verbleibenden Resourcen katastrophal unzureichend sind, weil es sagt, daß der Krieg und die Niederlage "die deutsche Wirtschaft zerstört und Chaos und Leid unausweichlich gemacht haben." Und doch beschließt es, ein Reparationsprogramm festzulegen, durch das ein großer Teil der knappen noch verbliebenen Produktionseinrichtungen zerstört oder abgebaut werden soll.

Nach vielem Hin und Her, kam der Kontrollrat im März 1946 bei der Festsetzung der zukünftigen Höhe der Produktion, sowohl für Deutschland als ganzes, als auch für die individuellen Industrien, zu einem Entschluß, der mit den Potsdamer Auflagen in Einklang stand. Als Höchstgrenze, jedoch keineswegs als garantiertes Minimum, dürfe die deutsche Produktion im Jahre 1949, die unterste Grenze, zu der sie bei der großen Depression im Jahre 1932 gesunken war, erreichen, kurz bevor die Nazis an die Macht kamen und ein Drittel der deutschen Arbeiter arbeitslos war.

Bei der Durchführung des Potsdamer Auftrags, der eine "Eliminierung oder Kontrolle der ganzen deutschen Industrie verlangt, die zur Herstellung von militärischer Produktion benutzt werden könnte" und der Betonung auf "Entwicklung von Landwirtschaft und friedlicher inländischer Industrien," sind jedoch viele normale friedliche Industrien gänzlich verboten. Diese schließen den Schiffsbau, Herstellung und Benutzung von Flugzeugen, verschiedene Arten von Kugellagern, fast alle Typen von Werkzeugmaschinen, schwere Materialien, Aluminium. Magnesium, Beryllium, Vanadium, radioaktives Material, Wasserstoffperoxid und synthetisches Öl, Benzin und Ammoniak ein.

Ausfuhr und Einfuhr werden strengstens kontrolliert und drastisch begrenzt. Zahlungen für notwendige Einfuhren werden bevorzugt aus Einkünften von Ausfuhren bezahlt. Einfuhren sind zumeist auf geringe Mengen von Nahrungsmitteln und Dünger begrenzt, Exporte größtenteils auf Kohle, Pottasche und Holz. Außenhandel im üblichen Sinne war jedoch unmöglich, und solange die Mark keinen Wert im Vergleich zu anderen Währungen erhält, wird es auch so bleiben.

Zukünftige Produktion einer großen Anzahl inländischer Industrien ist drastisch eingeschränkt. Elektrotechnik ist halbiert worden, Maschinenbau zu Zweidritteln gekürzt. Synthetische Textilien sind scharf gekürzt. Die chemische Produktion ist im ganzen auf 45 Prozent der alten Höhe reduziert. Die Stahlproduktion soll 5.800.000 Tonnen Blöcke im Jahr nicht übersteigen, gegenüber einer früheren Kapazität von 54.000.000[10A] Tonnen. Britannien hatte vorgebracht, daß eine solche Beschränkung das Reich in eine Wirtschaftswüste verwandeln würde und hatte eine Höhe von 7.000.000 Tonnen verlangt. Da Rußland jedoch eine viel niedrigere Zahl angeboten hatte, wurde als Kompromiß eine Obergrenze von 5.800.000 festgesetzt.

Durch die ganzen Verhandlungen hindurch, hatte Rußland sich für eine extrem niedrige Obergrenze eingesetzt. Es hatte sogar eine scharfe Reduzierung von Nahrungsmitteleinfuhren verlangt, um den Umfang notwendiger Ausfuhren zu reduzieren und dadurch eine größere industrielle Beute freizumachen, an der es beteiligt werden sollte. Als wenig später Reparationssendungen aus den Westzonen zum Stillstand kamen, änderte es jedoch seinen Standpunkt und verlangte höhere Obergrenzen. Molotow verlangte speziell höhere Kohleproduktionen und sagte: "Dem Reich muß mehr Stahl, mehr Industrie und mehr Außenhandel zugestanden werden."

Mr. Byrnes verteidigte in Stuttgart eigensinnig die festgesetzten Produktionsgrenzen und bestand darauf, daß das Programm eine Verbesserung des deutschen Lebensstandards erlaube, wenn die Deutschen nur hart genug arbeiten und sparen würden.

Abgesehen davon, daß das Schließen der Tür zu jeglicher Hoffnung, Wohlstand zu erwerben, bittere Verzweiflung hervorrief, hatten die Obergrenzen nur geringe praktische Auswirkung, weil die deutsche Produktion weit unter den erlaubten Obergrenzen blieb. Unsere Militärverwaltung ist der Ansicht, daß es Jahre dauern wird, bis sich Deutschland so weit erholt hat, daß die gesetzten Obergrenzen erreicht werden. Die gegenwärtige Auswirkung des Programms hat sich größtenteils auf die Unterdrückung von Herstellungsmöglichkeiten durch umfassende Zerstörung und Abtransport der Produktionskapazität und andere Maßnahmen, wie das Verbot wissenschaftlicher Forschung, beschränkt.

Der deutschen Wissenschaft, auf die die deutsche Industrie stark angewiesen ist, wurde ein tödlicher Schlag versetzt, teilweise durch direktes Verbot, teilweise durch den Prozeß der angeordneten Entnazifizierung, die automatisch die Karrieren einer großen Anzahl deutscher Wissenschaftler beendete, zumindest innerhalb des Reiches. Potsdam ordnete die Kontrolle "aller deutschen öffentlichen oder privaten wissenschaftlichen, Forschungs- und experimentellen Einrichtungen und Labors etc., an, die mit wirtschaftlichen Tätigkeiten verbunden waren." In Übereinstimmung mit dieser Bestimmung, wurde die deutsche Wissenschaft auf Anordnung des Kontrollrats unterdrückt. Forschung (in Deutschland) durch Wissenschaftler, die Nazis waren oder zur Entwicklung deutscher Waffen beigetragen hatten, geheime oder andere, ist verboten worden. Anderen, und es gibt deren nur wenige, ist es verboten, innerhalb einer langen Liste von spezifischen, umfassenden Kategorien von Objekten Untersuchungen anzustellen, die 10 generelle Kategorien von Chemikalien und alles, was sich auf militärische Dinge bezieht, umfaßt. Reine oder theoretische Wissenschaft - Erforschung der Grundgesetze der Natur und dergleichen - können von den wenigen Berechtigten, jedoch nur unter Überwachung der Militärregierung durchgeführt werden.

Mit anderen Worten, die deutsche Wissenschaft wurde vernichtet und mit ihr die Möglichkeit der Deutschen, mit den Siegern des Krieges wirtschaftlich zu konkurrieren.

Tatsächlich sind deutsche Wissenschaftler eine hochgeschätzte Form von Kriegsbeute geworden. Rußland, das als erstes ihren Wert erkannte, konnte das Verlangen und das Bestreben nicht unterdrücken, so viele wie möglich zu ergattern. Britannien, Frankreich und die Vereinigten Staaten folgten schnell seinem Beispiel und nahmen mit bemerkenswertem Erfolg an dem Wettkampf teil. Als wir uns bei der Übergabe an die Russen aus dem Teil der jetzt westlichen russischen Zone zurückzogen, war es uns sogar möglich, eine große Anzahl zu entführen. Zunächst galt unser Interesse nur Experten, die an Kriegsentwicklungen gearbeitet hatten, insbesondere Atomspaltung und Geheimwaffen. Andere in unserer Zone, eingeschlossen eine Anzahl solcher, die vor den Roten Armeen geflohen waren, waren ins Gefängnis gesperrt worden. Als Dr. Roger Adams, Leiter der chemischen Abteilung der Universität von Illinois und wissenschaftlicher Berater des Stellvertretenden Gouverneurs der Alliierten Militärregierung es als unklug bezeichnete, uns nur auf Wissenschaftler der Kriegsindustrie zu beschränken, änderten wir diese unwirtschaftliche Politik, da sich viele der in Gefängnissen Schmachtenden für uns als genau so wertvoll erweisen würden, wenn wir sie für andere Zwecke benutzen würden. Als eine Konsequenz daraus, stehen uns nun Hunderte von früheren deutschen Wissenschaftlern zur Verfügung, die ohne Zweifel eine der gewinnbringendsten Aneignungen aus dem gefallenen Reich darstellen. Vielleicht sollten sie als Reparation mitgezählt werden.

Darüber hinaus haben wir Gruppen von Experten nach Deutschland geschickt, die das Land nach allen deutschen Patenten, Entwürfen und Geheimprozessen absuchen sollen, ob in Privathand oder anders. Dem stellvertretenden Außenminister, William L. Clayton, bei einer Aussage vor dem U.S. Senatskomitee im Juni 1945 zufolge:

Wir haben die Absicht, volle Bekanntgabe der ganzen vorhandenen deutschen Technologie und Erfindungen zum Nutzen der Vereinten Nationen sicherzustellen..... Diese Regierung und andere Regierungen, gegen die Deutschland Krieg führte, haben sowohl patentierte als auch nicht patentierte Erfindungen und Entwürfe unter ihre Kontrolle gebracht, die deutschen Staatsbürgern zur Zeit des Kriegsausbruchs gehörten oder von ihnen kontrolliert wurden ..... Es ist wahrscheinlich, daß weder von der gesetzgebenden noch von der geschäftsführenden Seite dieser Regierung irgendwelche Schritte unternommen werden, den früheren deutschen Besitzern diese Rechte zurückzugeben.

Mr. Morgenthau verlangte die industrielle Plünderung Deutschlands und schlug vor, daß, anstatt den Fehler nach dem letzten Krieg zu wiederholen, als "Reparationen in Form von zukünftigen Zahlungen und Lieferungen verlangt wurde, die Produktion und Ausfuhr erforderten, diesmal:

..... Reparationen durch die Auslieferung vorhandener Resourcen und Gebiete, z.B..... durch Übertragung deutscher Gebiete und deutscher Privatrechte an industriellem Besitz in solchen Gebieten an Länder, in die eingedrungen wurde ..... durch Abtransport und Aufteilung von industriellen Werken und Ausstattung unter verwüstete Länder.... durch deutsche Zwangsarbeit außerhalb Deutschlands und Konfiszierung aller deutschen Vermögenswerte jeglicher Art außerhalb Deutschlands verlangt werden sollen. (Betonung hinzugefügt)

Es war kaum möglich, daß dieser Vorschlag, die Unantastbarkeit deutschen Privateigentums zu zertrampeln, in dem Politbüro keine uneingeschränkte Zustimmung finden würde. Bei der Inkraftsetzung des Programms, wird kein Vorwand benutzt zum Ausdruck zu bringen, daß die Eigentümer konfiszierten Privateigentums jetzt oder später, entweder von den Alliierten oder der deutschen Regierung entschädigt werden sollen, weil letztere, sollte eine solche je eingesetzt werden, ohne Zweifel so schwach sein wird, daß eine solche Entschädigung ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigen würde.

Jedoch die Haager Konvention sagt in Artikel 46, dem Teil, der sich mit "Militärischer Autorität Über das Gebiet des Feindlichen Staates" befaßt: "Privatbesitz kann nicht konfisziert werden." Artikel 53 unterstreicht diesen Punkt und sagt, daß jeder Privatbesitz, der während einer Besetzung genommen wurde, "zurückgegeben und Entschädigung gezahlt werden muß, sobald Frieden geschlossen wird."

Im Angesicht des gegenwärtigen weltweiten Angriffs auf die Einrichtung von Privatbesitz, sollten diejenigen, die sie angeblich verteidigen, auf Einhaltung der Bestimmungen des internationalen Gesetzes bestehen. Offenkundige Verletzungen der Großen Vier schaffen nicht nur die Ungerechtigkeiten, deretwegen diese Gesetze erlassen wurden, sondern belasten die Sieger des II. Weltkrieges mit genau den Aktionen, deren sie Hitler so scharf und zu recht verdammten. Man kann sehr gut verstehen, warum das sozialistische Rußland private Eigentumsrechte in besetzten Gebieten verletzen würde, das gleiche gilt jedoch nicht für die Vereinigten Staaten.

In Jalta übernahm Rußland die Führung bei den Forderungen, daß deutsche Reparationen auf 20 Milliarden Dollar festgesetzt werden sollten, von denen es die Hälfte bekommen sollte. Präsident Roosevelt, der so von seinem "großen Entwurf" erfüllt war, ließ sich auf das Risiko ein zu denken, daß der russische Argwohn gegenüber den westlichen alliierten kapitalistischen Mächten zerstreut werden könne, wenn man einwillige, Stalin alles zu geben was er wolle, und mehr, war mit Unterstützung der Forderungen einverstanden. Premierminister Churchill wies jedoch auf die offensichtliche Tatsache hin, daß, wenn Deutschland durch die Entindustrialisierung so geschwächt werden solle, es aus der laufenden Produktion keine Reparationen zahlen könne, und wenn Reparationen auf Firmen und Ausstattungen begrenzt werden sollten, die nach der Entindustrialisierung übriggeblieben sein würden, gäbe es keine Rechtfertigung für Rußlands Haltung. Das Entindustrialisierungsprogramm werde automatisch den Umfang der Reparationen auf den Umfang der nicht vom Krieg zerstörten Firmen und deren Ausstattung begrenzen, abzüglich der Menge - wie groß sie auch immer sei -, die den Deutschen verbleiben würde. Um des lieben Friedens willen, einigte man sich auf die Summe von 10 Milliarden als "Diskussionsbasis."

In Jalta erhielt Rußland den Löwenanteil der Reparationen. Es sollte alles aus seiner eigenen Zone plus 25 Prozent aus den anderen Zonen erhalten. Von letzteren sollten grundsätzlich Zweifünftel nach Rußland gehen und Dreifünftel sollten "im Austausch gegen eine entsprechende Menge von Nahrungsmitteln, Kohle, Pottasche, Zink, Holz, Tonprodukte, Petroleumprodukte und andere solche Erzeugnisse, über die man sich einigen werde, gegeben werden, die wahrscheinlich aus seiner Zone kommen würden. Präsident Truman sagte über das Übereinkommen: "Es ist ein Mittel, in Deutschland eine ausgeglichene Wirtschaft zu erhalten und der übliche Austausch von Gütern zwischen dem östlichen und westlichen Teil." Mit anderen Worten, ein Teil der deutschen Wirtschaft mußte 15 Prozent des Fleisches, das von seinen Knochen gekratzt wurde, an Rußland abgeben, um Nahrung von einem anderen Teil zu bekommen - eine höchst bemerkenswerte Form wirtschaftlichen Kannibalismus'.

Der Wert von Deutschlands bombardierten und übel zugerichteten Fabriken und Maschinen, die am Ende des Krieges übriggeblieben waren, wurde offiziell zwischen 5 und 10 Milliarden Dollar geschätzt, von denen 45 Prozent in der russischen Zone lagen, wo Rußland freie Hand gegeben worden war. Unter der festgelegten "Höhe des Industrieplans", konnten 40 Prozent davon als Reparation abtransportiert oder zerstört werden. Die gesamte Reparation konnte darum nicht mehr sein als 2 bis 4 Milliarden, und falls Rußland sich an den Gesamtplan für seine Zone hielt, konnte sein Gesamtanteil aus ganz Deutschland nicht höher als 2,4 Milliarden Dollar sein.

Zunächst hielt sich Rußland auch korrekt an das Programm und, wie aus einigen Berichten hervorging, nahm anscheinend weit weniger als die für seine Zone erlaubten 40 Prozent. Im März 1946 erzählte der Leiter der Thüringischen Regierung Korrespondenten, denen erlaubt wurde, dort eine geführte Tour zu machen, daß Rußland weniger als 100 von Thüringens 5.200 Industrieunternehmen demontiert habe.[11] Ein weiterer Bericht sagte, daß von den 6.272 Industrieunternehmen in der Provinz, nur 310 demontiert worden seien, von denen 80 in der Lage waren, ihre Arbeit wieder aufzunehmen.[12] Keiner gab jedoch die relative Größe der beschlagnahmten Einrichtungen an. Wenn diese Firmen eine durchschnittliche Größe hatten, stellten sie nur 2 bis 5 Prozent des Ganzen dar. Im Frühsommer 1946 schätzten die Vereinigten Staaten, daß die tatsächlichen Demontagen in der russischen Zone einen Wert zwischen 500 und 750 Millionen Dollar hatten, nicht eingeschlossen Kriegsplünderung, Entschädigung für zerstörte oder gestohlene russische Güter oder Besatzungskosten.[13] Dies war immer noch weniger, als erlaubt war. Wenn man bedenkt, wie durch und durch Rußland Regionen wie die Mandschurei und den nördlichen Iran ausräumte, bevor es die Truppen zurückzog, scheint seine Zurückhaltung, wenn wahr, einen Hintergedanken zu haben.

Eine Andeutung dieses Hintergedanken wird durch die Tatsache gegeben, aber auch Berichten zufolge, daß über 90 Prozent der Fabriken in seiner Zone in Betrieb seien und 80 bis 100 Prozent der Produktion als Besatzungs- oder Reparationskosten nach Rußland gingen. Zum Beispiel sollte der deutsche Markt von einer Fabrik, mit einer Produktion von 20 Millionen Rasierapparaten, 3 Millionen bekommen, der Rest sollte in die Sowjetunion gehen. Darüber hinaus erzählen beharrliche Gerüchte von großen deutschen Munitionsfabriken in der Zone, die Tag und Nacht in Betrieb sind, um Munition und Geräte für die Sowjetunion herzustellen.

In der Zwischenzeit wurden seit April Reparationstransporte aus den Westzonen durchgeführt. Der erste Transport waren sechs Schiffsladungen mit Vermögenswerten der Deschimag Werft, Deutschlands größter, mit einem geschätzten Wert von $ 4.800.000, bald gefolgt von 20 Wagenladungen von Maschinen und Werkzeugen im Werte von $ 5.000.000, die die Hälfte der Vermögenswerte des Landes an Kugellagerfabriken darstellten. Andere frühere Transporte schlossen die Gendorf Einheit der Anorganischen Chemischen Werke im Wert von $ 10.000.000 und die ungeheure Daimler-Benz Untergrund Flugzeugmotoren Fabrik in der Nähe von Oberingheim ein.

Dem Reparationsausschußmitglied Edwin W. Pauley zufolge, hatte die U.S.-Zone bis Mai 144 Fabriken zum Abtransport nach Rußland vorgesehen, von denen 35 oder 40 tatsächlich abtransportiert wurden, bevor wir plötzlich weitere Transporte aus dem Grunde stoppten, daß wir die wirtschaftlichen Interessen in unserer Zone schützen müßten, bis eine Einheit der interzonalen Wirtschaft erreicht sei, die im Einklang mit Potsdam stand. Kurz vorher war es den Westmächten jedoch nicht gelungen, die Russen zu einer Einwilligung über das Ausmaß von Inspektionen einer Viermächtekommission in allen vier Zonen, eingeschlossen die russische, zu erhalten. Die Idee entstand bei der Konferenz der Außenminister in Paris, um den interzonalen Verdacht zu zerstreuen und jeder Besatzungsmacht ein klares Bild über die Entwaffnung in anderen Zonen zu geben. Britannien deutete an, das es Gerüchten über Munition nachgehen wolle, die in der russischen Zone aufgetaucht sei; Rußland hatte scharf mit der direkten Beschuldigung erwidert, daß Britannien große Einheiten der gefangenen deutschen Armee noch nicht aufgelöst habe und dies zu untersuchen wünsche.

Was auch immer die Gründe waren, wir stoppten weitere Reparationstransporte aus unserer Zone. Und dann brach der Sturm los.

Rußland kehrte anscheinend seine ganze Haltung Deutschland gegenüber um. Im Juni erklärte Molotow, daß es lächerlich sei, Deutschland zu zerstören und verlangte ein starkes, zentralisiertes und wirtschaftlich ausgeglichenes Reich mit Ruhr und Saar angegliedert und wünschte eine höhere Stahl- und Kohleproduktion als die, der Rußland bis dahin zugestimmt hatte, indem er sagte, "Dem Reich muß mehr Stahl, größere Industrie und Außenhandel erlaubt werden," und fügte hinzu, "Die sowjetische Regierung besteht darauf, daß die Reparationen von Deutschland im Wert von 10 Milliarden Dollar auf jeden Fall verlangt werden müssen." Seine Absicht war klar: Rußland wünschte jetzt ein starkes Deutschland, von dem große Reparationszahlungen verlangt wurden, die so schwer waren, daß eine Sozialisierung unumgänglich war, mit nachfolgendem Anschluß an die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken.

Inzwischen räumte Rußland seine Zone bis auf die Knochen aus und wies darauf hin, daß dies notwendig sei, um eine ständige Flut von Reparationen in die Sowjetunion zu gewährleisten. Viele von Deutschlands größten Herstellern von Gütern für die Zivilbevölkerung wurden abgebaut und nach Osten transportiert. Darunter waren die beiden größten Schuhhersteller (Lingel und Tack), die größten Zuckerraffinerien in der großen Zuckerrüben Region, die größten Kornverarbeitungsfirmen in Europa in Barby bei Magdeburg, die große Bemberg Seidenfabrik, die vor dem Krieg berühmt war für ihre Strümpfe und Unterwäsche, und die Zeiss Optikwerke in Jena. Alle zweitrangigen Zuglinien wurden abgerissen und alle elektrischen Lokomotiven aus der Zone entfernt.

Aber viele der konfiszierten Fabriken wurden in Deutschland belassen, wo sie von Deutschen für die Russen betrieben wurden. Es stellte russische oder kommunistische Vormänner ein und setzte Russen oder Kommunisten in die Direktionsvorstände. Auf diese Weise erhielten sie vollständiges Eigentum und Kontrolle über 200 deutsche Schlüsselindustrien, die den wirklichen wirtschaftlichen Reichtum darstellten und beschäftigten 1.300.000 Arbeiter - ein Drittel der arbeitenden Bevölkerung der Zone. Beispiele für die beschlagnahmten Firmen schließen die ganze I.G. Farben Industrie in Sachsen ein mit den berühmten Leuna Chemische Werke in Merseburg, Bitterfeld und Wollin, die wichtigen einzigen Kupferwerke, die Mansfield Co. in Sachsen, die Maschinenwerke von Krupp-Gruson in Magdeburg, die Brabag Brown und Gasolin Co., nahe Gera in Thüringen, die Polysius Maschinenwerke in Dessau und viele der wichtigsten Eisenerzwerke, Werkzeugmaschinen Fabriken, Kohlebergwerke, Pottasche Werke und Elektrofirmen.

Amerika, das von Anfang an am eifrigsten bei der Durchführung der Entindustrialisierung gewesen war, protestierte nicht gegen Rußland, bis es erfuhr, daß zwei Einrichtungen, die den amerikanischen Konzernen United Shoe Maschinery Co. und die Corn Products Refining Co. gehörten, ebenfalls beschlagnahmt worden waren. Wir machten daraufhin den Vorschlag, daß das den Alliierten gehörende Eigentum von der Beschlagnahme ausgenommen werden solle und fügten den frommen Gedanken hinzu, daß Fabriken, die Güter für die Zivilbevölkerung herstellten, in Deutschland verbleiben sollten. Unsere Note blieb unbeantwortet. Es ist jedoch bekannt, daß Rußland zahlreiche Entschuldigungen erfunden hat, seine Beschlagnahmungen rechtlich zu begründen, darunter die Behauptung, daß Fabriken mit internationalem Hintergrund aufgegebenes Eigentum darstellen und die Eigentümer, von denen die meisten geflohen oder liquidiert worden seien, Kriegsgewinnler gewesen seien.

Seitdem Britannien einen Plan vorgebracht hatte, die Ruhr und andere Industrien in seiner Zone, die möglicherweise Milliarden von Dollar wert waren, auf eine Weise zu internationalisieren, durch die es als "beaufsichtigende Stelle" einen Rechtsanspruch auf einen großen Teil derselben erhalten würde, ohne einen Cent Entschädigung an die früheren Eigentümer zu zahlen, hatte es jeden moralische Grund verloren, aus dem es einen Protest gegen die russische Aktion hätte vorbringen können. Noch konnten die Franzosen angesichts ihrer habgierigen, rachsüchtigen Behandlung in ihrer eigenen Zone protestieren, wo die Plünderung genau so gründlich gewesen war, wie die der Russen, jedoch weit weniger intelligent, wo sie z.B. das meiste der bevorstehenden Ernte verlangten und zu gleicher Zeit im Juli durch Sonderkommandos Tiere requirieren ließen, als sie am nötigsten zum Einbringen der Ernte gebraucht wurden.

Wenn Amerika sich auch mit mehr Begeisterung, als man zunächst in den anderen Zonen feststellen konnte, mit dem Abmontieren und in die Luft sprengen deutscher Fabriken beschäftigte, waren unsere Motive völlig verschieden von denen unserer Verbündeten. Rußland ist bestrebt, Deutschland so weit wie möglich auszuplündern, läßt es jedoch in reichlichem Masse für Rußland produzieren, um dabei zu helfen, den neuen Fünfjahresplan erfolgreich zu machen und schließlich das Reich der Sowjetunion einzugliedern. Frankreich ist heißhungrig auf Plünderung, war bestrebt, Deutschland für immer zu vernichten und soviel Gebiet wie möglich zu annektieren. Britannien fand vieles der deutschen Beute nützlich, will Deutschland als Handelspartner ausschalten und es als Markt für britische Güter benutzen. Die Vereinigten Staaten haben für deutsche Fabriken und Ausrüstungen als Plünderungsgut keine Verwendung und haben das auch oft ausgesprochen. Wir betrachten unsere eigene reichliche Produktionsausrüstung als überlegen. Abgesehen von ein oder zwei besonderen Fällen, galt unser besonderes Interesse an deutschen Vermögenswerten solchen außerhalb Deutschlands, um deutsche Konkurrenz im Welthandel auszuschalten. Wir erlauben dem deutschen Volk, auf seinem eigenen kleinen Stückchen Land zu existieren, falls es das kann, wir sind jedoch entschlossen, ihm nie wieder zu erlauben, sich in wichtigem Umfang im Außenhandel zu betätigen. In Partnerschaft mit Britannien haben wir eine systematische Kampagne durchgeführt und alle deutschen Kontakte und Vermögenswerte, die sich außerhalb Deutschlands befinden, aufgespürt und unsere eigenen Händler an deren Stelle gesetzt.

Bekannt als "Replacement Program" ("Austauschprogramm"), ist die Kampagne eng mit dem "Safe Haven" Programm verbunden, das eine erzwungene Ausschaltung des gesamten deutschen ausländischen Kapitals vorsieht.

Die folgenden Auszüge aus der Aussage des Stellvertretenden Außenministers William L. Clayton vor dem "Kilgore Komitee" des U.S. Senats am 25. Juni 1945, erzählt die Geschichte:

Die Regierung beschloß bald, daß es deutschen Unternehmen nicht erlaubt werden könne, ...in dieser Hemisphäre zu überleben. Das Ersatzprogramm wurde als Mittel für die Ausschaltung deutscher Unternehmen und deutscher Interessen entwickelt.

Die Geschäfte von Personen, die gegen die politische oder wirtschaftliche Unabhängigkeit oder Sicherheit der amerikanischen Republiken handeln, "sollen Gegenstand von Übertragung oder völliger Liquidation" werden. Deutschem wirtschaftlichen oder politischen Einfluß in dieser Hemisphäre ist zum größten Teil ein Schlag versetzt worden, von dem es sich wahrscheinlich nicht wieder erholen wird....

Das Safe Haven Programm

Die Ersatz- und Safehavenprogramme basieren beide auf der allgemeinen Kenntnis, daß das totalitäre Deutschland fähig war, die angeblichen Interessen deutscher Staatsbürger in Übersee in der Absicht zu benutzen, einen Wirtschaftskrieg zu führen. Das Safehavenprogramm beschäftigt sich vor allem damit, den Deutschen unter anderem deutsche Kapitalinvestitionen, die sich zu Beginn des Krieges bereits in Übersee befanden, abzulehnen. Die finanziellen und korporativen Interessen deutscher Staatsbürger, die sich außerhalb Deutschlands befinden, wurden entweder beschlagnahmt oder sollen Gegenstand von Beschlagnahme werden. (Mr. Clayton brachte auch vor, daß Deutsche mit Verstand und technischen Fähigkeiten, eingeschlossen Bürger deutscher Abstammung in lateinamerikanischen Ländern, die öffentlich in irgendeiner Weise Sympathie für Deutschland geäußert hätten, ausgewiesen und nach Deutschland geschickt werden sollten.)

Dementsprechend haben wir Eigentum im Wert von fast einer Milliarde Dollar in diesem Lande, von dem unser Justizministerium annimmt, daß es Deutschen gehört, obwohl es auf die Namen von Bürgern neutraler Länder wie Schweden und der Schweiz eingetragen ist, konfisziert. Generalstaatsanwalt Clark sagt, daß das Justizministerium der Ansicht ist, daß diese Holdings nun der Regierung der Vereinigten Staaten gehören.

Die externe Durchführung des Programms wird veranschaulicht z.B. durch unseren Druck auf die Schweiz, Schweden und Spanien sowie andere Länder, ihre Deutschen gehörenden Vermögen auszuhändigen. Schweden hielt z.B. deutsche Werte, die auf 104 Million Dollar geschätzt werden. Gleichzeitig "blockierten" wir 200 Millionen Dollar schwedischen Vermögens, d.h. wir schnitten sie während des Krieges von schwedischer Kontrolle ab. Wir benutzten diese blockierten Gelder als einen Knüppel, Schweden zu veranlassen, uns die Vermögenswerte zu übereignen. Nach langen Verhandlungen lieferte es schließlich deutsche Resourcen im Werte von 77 Millionen aus, und wir hoben die Blockierung der 200 Millionen Dollar schwedischer Gelder in Amerika auf. Nachdem wir die Gelder erhalten hatten, konfiszierten wir diese und teilten die Beute mit Britannien und Frankreich.

Wir erreichten, daß uns die Hälfte von 200 bis 250 Millionen Dollar deutscher Vermögenswerte, die sich in der Schweiz befanden, übergeben wurden und konnten deutsche Vermögenswerte in Spanien in Höhe von 100 Millionen Dollar losmachen. Wir benutzten und benutzen jede Art von Waffen und Druckmittel, die uns zur Verfügung stehen, deutsche Vermögenswerte in der ganzen Welt aufzuspüren und zu konfiszieren, und, wie Mr. Clayton aussagte, haben wir in diesem Prozeß dem deutschen Außenhandel einen tödlichen Schlag versetzt.

Daß wir offiziell zugeben, daß dieses Programm auch Deutschland und das deutsche Volk vernichtet, wurde von Mr. Clayton in seiner Aussage vor dem Kilgore Komitee vollkommen klargemacht. Chefermittler Dr. Schimmel befragte den Stellvertretenden Außenminister, ob es stimme, daß die Deutschen ihren erfolgreichen Einbruch in den südamerikanischen Handel in der Absicht durchführten, überlegene Informationsstellen einzurichten. Mr. Clayton erwiderte:

Es war bei den Deutschen keine Sache der Information, sondern eine Sache der Notwendigkeit. Ich meine, sie brauchten den Außenhandel, sie mußten exportieren, um zu leben. Wie Sie wissen, hat das Land nur wenige natürliche Resourcen. Die einzigen natürlichen Resourcen, die einige Bedeutung haben, sind Kohle und Pottasche, und sie mußten hergestellte Güter ausführen, um Rohmaterial zu erhalten, das sie für ihre Wirtschaft und Industrie brauchten, und Außenhandel war für die Deutschen eine absolute Notwendigkeit. (Betonung hinzugefügt)

Das Abschneiden des Außenhandels und es ihnen unmöglich zu machen, hergestellte Güter auszuführen, lief daher auf das von Mr. Clayton befürwortete und im Potsdamer Abkommen festgelegte Programm hinaus, über das deutsche Volk das Todesurteil auszusprechen.


Anmerkungen

[1]Henry Wales, Berlin, 8. April 1947, Chicago Tribune Press Service
[2]Lee Hills, Wien, Österreich, 20. Juli 1946, Chicago Daily News Foreign Service
[3]Edward P. Morgan, Berlin, Chicago Daily News Foreign Service, Cf. auch Edd Johnson, Berlin, 29. April 1946, Chicago Sun Foreign Service
[4]William H. Stonemann, mit der U.S. 3D Armee, 4. Mai 1945, Chicago Daily News Foreign Service
[5]William H. Stoneman, mit der U.S. 3D Armee, 8. Mai 1945, Chicago Daily News Foreign Service
[6]Hal Foust, Frankfurt/M., Deutschland, 26. Aug. 1946, Chicago Tribune Press Service
[7]Chicago Sunday Tribune, 18. Nov. 1945, S. 22
[8]United Press, New York, 24. Juli 1946 [Chicago Daily News]
[9]United Press, Berlin, 25. Sept. 1946
[10]United Press. Moskau, 2. Aug. 1946, Chicago Daily News
[10A]Allen Haden, Washington, 14. Nov. 1944, Chicago Daily News Foreign Service
[11]Edd Johnson, Berlin, 28. März 1946, Chicago Sun Foreign Service
[12]Jones P. Warburg, The Chicago Sun, 5. Aug. 1946, S. 10

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